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Blindengarten verzaubert Besucher

Sächsischen Zeitung
Hunderte Gäste kamen zum 21. Gartenfest nach Radeberg. Auch Politprominenz ließ sich sehen.

Von Bernd Goldammer

Seit 21 Jahren gibt es den Radeberger Blindengarten. Gestern beim Gartenfest wurde wieder klar: Der Blindengarten hat sich zu einem touristischen Reiseziel entwickelt. Mehr noch, inzwischen wird die Stadt für diese einzigartige Anlage bewundert. Taubblinde haben Radeberg damit ein sehr nachhaltiges Geschenk gemacht. Andererseits ist dieser Fakt auch ein Hoffnungszeichen. Gestern konnte man das wieder erleben, wie Taubblinde, Blinde und Sehende gemeinsam im Reich der Düfte unterwegs waren. Sie teilten gemeinsame Wahrnehmungen. Und was man nicht gemeinsam sehen konnte, das ist mittels angebrachter Blindenschrift am Laufgeländer zu erfahren. Gegen 10.30 Uhr war Glockenklang zu hören. Danach hielt Pfarrer in Ruhestand Erdmann Paul eine aufrüttelnde Andacht. Dabei ging es um die Sprachen des Gartens und darum, wie aufgeschlossen die Welt von heute Menschen mit Behinderungen gegenüber steht. Erdmann Paul gehört zu jenen die sich die Eröffnung der Paralympics angeschaut haben und daraus seine Freude herleitet. "Unsere Welt hat sich schon sehr verändert. Im Großen und im Kleinen", so der Pfarrer i.R. Sein Optimismus ist mitreißend. Auch für Mario Weisch aus Zittau. "Ich gehöre zum Blindenverband. Wir arbeiten eng mit dem Radeberger Taubblindendienst zusammen. Deshalb bin ich mehrmals im Jahr hier. Und im Garten der Düfte kann ich mich auf eine ganz besondere Weise entspannen", so Welsch. Diesmal hat er sogar seine Mutter mitgebracht. "Mein Sohn hat mir schon viel von diesem Garten erzählt. Das hat mich neugierig gemacht", erzählt Anita Welsch. Gartenfeste hier sind für viele Einheimische immer auch Gelegenheit, sich mit besonderen Pflanzen einzudecken. "Wir sind heute hier, um Pfefferminze zu kaufen. Beim Pflanzenkauf für unseren Garten ist dieser botanische Blindengarten ein wichtiger Anlaufpunkt", hebt der Ullersdorfer Ortsvorsteher Frank-Peter Wieth hervor. Seit vielen Jahren geht er hier ein und aus. Und so manche Anregung für seinen eigenen Garten stammt von hier. Auch Katrin Lattig vom Radeberger Tanzclub ist mit ihrer Familie gekommen, um sich hier umzusehen und sich von Gartenbauingenieur Uwe Genzmehr bei der Pflanzenauswahl beraten zu lassen. Der Garten der Sinne verbindet Menschen. Das ist seine besondere Stärke. In den Nachmittagsstunden nahm der Besucheransturm weiter zu. Auch Sachsens Ex-Ministerpräsident Georg Milbradt war dabei. Er hat hier die Rolle des Grünkohl-Königs übernommen. Große Begeisterung fand auch der Posaunenchor aus dem Erzgebirgsort Gahlenz. "Diese Musiker begleiten unsere Veranstaltung von Anfang an. Heute möchte ich ihnen ein herzliches Dankeschön aussprechen," macht Erdmann Paul klar. Verwaltungsleiter Gerold Augart lobt in seinem Statement die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Radeberg. "Über die Jahre ist ein großes Verständnis füreinander gewachsen", beschreibt er.

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