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Taubblindendienst

der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) e.V.

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Elf Wohnungen für Taubblinde

01.11.2010, Sächsische Zeitung
Von Bernd Goldammer

Man sieht nur mit dem Herzen gut, sprach der Fuchs zum kleinen Prinzen; dem weltweit bekannten Buch des Franzosen Antoine de Saint-Exupéry. Dass den zahlreichen Gästen bei der gestrigen Einweihungsfeier für das ambulant betreute Wohnen des Taubblindendienstes gleich neben dem Storchennest am Radeberger Dammweg so nahe kam, hatte mit den Grußworten des Radeberger Oberbürgermeisters Gerhard Lemm (SPD) zu tun. Ihm stand die Freude ins Gesicht geschrieben.

Das deutschlandweit erste Haus dieser Art ist nun in Radeberg zu finden; hier können Taubblinde – Menschen, die weder sehen noch hören können – nun in elf Wohnungen in den eigenen vier Wänden, weitgehend selbstbestimmt leben. Pfarrerin Ruth Zacharias, seit vielen Jahren engagierte Leiterin des Taubblindendienstes und Chefin des Radeberger Storchennestes, war dann auch sichtlich gerührt, als ihr Olaf Rebentisch – der Chef der bauausführenden Annaberger Baufirma – den Schlüssel zum neuen Wohnhaus übergab.

Für die Pfarrerin war dies ein einzigartiger Augenblick. Erneut war ihr Ringen um die Verbesserung des Lebensalltages für Taubblinde von einem greifbaren Erfolg gekrönt. In diesen Momenten der Freude hält sie inne. "Ich fühle Dankbarkeit und Verantwortung gleichermaßen", machte die selbst blinde Pastorin dann deutlich. Von nun an schaue man deutschlandweit auf Radeberg.

Möglich wurde der Bau dabei durch eine 700.000-Euro-Spende von Helmut Kreuz aus Baden Würtemberg. Sie machte dem unermüdlichen Ringen von Ruth Zacharias und ihren zahlreichen Mitarbeitern den Weg frei. Für weitere taubblinde Familien wird Radeberg nun zum hoffnungsvollen Lebensmittelpunkt. Am und um das Storchennest können sie sich gut entfalten. Die Wohnungen sind auf die Bedürfnisse dieser Behinderungsgrade ausgerichtet. Im Frühling steht der einzigartige Botanische Blindengarten hier zu duftigen Spaziergängen bereit, die Gemeinschaft Betroffener ermöglicht Kommunikation. Und wie den Worten von Oberbürgermeister Gerhard Lemm zu entnehmen war, wird die Bierstadt das außerordentlich wichtige Wirken des Taubblindendienstes auch künftig unterstützen. Denn die großen Herzen der Radeberger können sehr gut sehen.

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