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Taubblindendienst

der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) e.V.

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80. Geburtstag von Ruth Zacharias

Laudationen für eine 80-Jährige / Gratulanten würdigen das Lebenswerk von Ruth Zacharias

 Radeberg. Coronabedingt war der Kreis derjenigen, die am 15. August zu einem festlichen Treffen nach Radeberg gekommen waren, hinsichtlich der Gästezahl begrenzt. Angemeldet hatten sich viel mehr. Sie alle wollten der Pastorin Ruth Zacharias zu ihrem 80. Geburtstag gratulieren, ihr Danke sagen und das Lebenswerk der Jubilarin würdigen.

Der Name Ruth Zacharias ist aufs Engste mit dem Taubblindendienst der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) e.V. verbunden, denn seit seiner Gründung im Jahre 1991 hatte Pastorin Zacharias dem Verein als Geschäftsführerin vorgestanden und dieses Amt erst als 75-Jährige abgegeben. Sie, die selbst als zehnjähriges Mädchen erblindete, war taubblinden Menschen immer besonders nah, stand ihnen und ihren Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite. Daran hat sich auch seit ihrem Eintritt in den Ruhestand nichts geändert, wobei der Begriff Ruhestand in ihrem Falle ohnehin völlig unpassend ist. „Dein Leben ist deine Berufung und deine Berufung ist dein Leben", betonte Pfarrer Erdmann Paul deshalb in der Andacht, die den zahlreichen Laudationen am 15. August voranging.

Jüngstes Beispiel dafür ist ein von ihr geschriebenes Buch. Es trägt den Titel „Duft und Farbe – Gärten werden zu Oasen" und wurde von der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V. zum TOP 5 der besten Gartenbücher 2020 gekürt. In ihm berichtet Ruth Zacharias über ihre Erfahrungen, die sie bei der Anlage des Botanischen Blindengartens Radeberg gemacht hat. Die heute rund 22 000 Quadratmeter große Gartenanlage am östlichen Rand von Radeberg wird vom Taubblindendienst getragen und wurde und wird maßgeblich von Ruth Zacharias initiiert und geprägt. Zentrales Anliegen des Gartens ist es, taubblinden Menschen und mehrfachbehinderten Blinden ein möglichst selbstständiges Gartenerlebnis zu vermitteln, wobei der Duft eine besondere Rolle spielt. Dass ihn diese Eigenschaft im deutschsprachigen Raum einmalig macht, ärgert die Buchautorin. Das muss sich ändern, fordert sie unverblümt und macht dazu im Buch auch die entsprechenden Vorschläge. Nicht zuletzt mit einem umfangreichen Duftpflanzen-Verzeichnis. Damit habe das Buch einen Wert, mit dem es sich deutlich von den anderen alljährlich erscheinenden Gartenbüchern unterscheidet, begründete Dr. Ingolf Hohlfeld von der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft die Auszeichnung.

„Frau Zacharias hört es nicht gerne, wenn man von ihrem Projekt, ihren Plänen, ihren Vorhaben spricht. Sie hat sich immer als Werkzeug Gottes gefühlt, hat sich stets gefragt, ob es Gottes Wille sei, was sie da tue. Und wenn sie eine Antwort fand, hat sie es getan, schlicht im geistlichen Gehorsam. Sie hat alle ihre Gaben als Aufgaben gesehen und jedes Talent, das sie hat, als Pflicht", urteilte Dr. Albin Neeß in seinem Grußwort an die Jubilarin.

Das habe er schnell erkannt, seit er zum ersten Mal mit ihr Kontakt hatte. Ihn und Dr. Jürgen Trogisch, die seinerzeit beide im sächsischen Sozialministerium tätig waren, zählt Ruth Zacharias wie den damaligen Sozialminister Dr. Hans Geißler zu den Verbündeten der ersten Stunde.
Auch Michael Harig, Landrat des Landkreises Bautzen, gehört heute für sie zu den Verbündeten. „Mit großer Nachdenklichkeit habe ich Radeberg nach meinem ersten Besuch bei ihr verlassen – und mit großer Freude darüber, dass es Menschen gibt, die uneigennützig Dinge leisten, die so einmalig sind", bekannte er auf der Geburtstagsfeier.

Dr. Reiner Schwenke, Ruth Zacharias' langjähriger Hausarzt und Mitglied der von ihr geleiteten Fördergemeinschaft Botanischer Blindengarten, gehörte ebenfalls zu den Gratulanten. Er wünschte der Jubilarin Gesundheit, Kraft und Zeit, „um unerfüllte Aufgaben zu lösen und gesteckte Ziele zu erreichen, denn ziellos waren Sie in ihrem Leben noch nie", betonte er und erinnerte an Ruth Zacharias' Anfänge in Radeberg, daran, wie 1994 nach vierjähriger Bauzeit aus einer Ruine die von den Radebergen „Storchennest" genannte Begegnungsstätte für Taubblinde wurde, wie aus „einem sich selbst überlassen Biotop" etappenweise der Botanische Blindengarten entstand. Voller Kraft, Energie, Sachverstand und einem beeindruckenden Durchsetzungsvermögen habe sie, unterstützt von der Diakonie, vom Freistaat Sachsen, vom Landkreis, von der Stadt Radeberg, von der Fördergemeinschaft und vielen Spendern, aus der Vision Realität gemacht. Dabei waren die Wege zum Jetzt für Ruth Zacharias und den Taubblindendienst längst nicht so eben, wie die im heimatlichen Mölschow auf der Insel Usedom. „Aber auch diese Bergetappen haben Sie bravourös gemeistert", stellte Dr. Schwenke fest und fügte hinzu: „Liebe Frau Zacharias, auf Ihr Radeberger Lebenswerk können Sie am heutigen Tag wahrlich mit großer Zufriedenheit zurückblicken."
Bernd Lichtenberger

Seminar 80 GebGartenführung
Fachvortrag zum 80. Geburtstag.Die Gäste hatten die Möglichkeit, sich durch den Botanischen Blindengarten führen zu lassen.

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