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Der neue Freundesbrief

Taubblindendienst der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) e.V.
Pillnitzer Straße 71
01454 Radeberg
Tel.: 03528 43970
Fax: 03528 2293055
E-Mail: info@taubblindendienst.de

Oktober 2022

Liebe Freunde,
am 25. September 2022 feierte die Kirchgemeinde ‚Maria am Wasser' in Dresden-Hosterwitz-Pillnitz einen Festgottesdienst zum Internationalen Nagelkreuzsonntag und eröffnete damit das Nagelkreuzjahr 2022/23. Dieses Jahr steht unter dem Thema: „Vater vergib!" Ich war zu diesem Gottesdienst eingeladen, da die langjährige Verbindung zum Taubblindendienst zu einem konkreten Bestandteil der Versöhnungsarbeit der Kirchgemeinde geworden ist. Begegnungen mit dem Kirchenvorstand in Radeberg während der Klausurtagungen, gemeinsame Gottesdienste in der Kirche ‚Maria am Wasser' und regelmäßige Unterstützung durch Spenden lassen diese Beziehung lebendig sein. Der Predigttext für den Gottesdienst stand im 2. Korinther 5,20: „So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!" Im Versöhnungsgebet der Nagelkreuzgemeinschaft wird für die Versöhnung zwischen Völkern, Rassen, Herrschenden und Unterdrückten gebetet. Es gibt so viele unversöhnte Beziehungen. Mich beschäftigten verschiedene Fragen: Sind wir versöhnt mit Gott? Sind wir Botschafter der Versöhnung? Wie wird Versöhnung möglich? Paulus macht uns bewusst: Wir sind durch Jesus Christus mit Gott versöhnt. Wir können in der Gewissheit leben, dass Gott durch Jesus Christus ‚JA' zu mir sagt. Mein Leben ist geborgen in Gottes Hand. Täglich kann ich die Vergebung Jesu empfangen. Der Heilige Geist macht das im Herzen und in den Gedanken real und lebendig, wenn wir ihn darum bitten. So werden wir zu Botschaftern der Versöhnung, die unsere Welt, unsere Familien, unsere Nachbarschaft und Kirchgemeinden so dringend brauchen. Wer mit Gott versöhnt ist, ist im Herzen frei, Menschen mit anderen Meinungen zu respektieren. Ich bete: Herr, sende aus deinen Geist, den Geist der Versöhnung, und verwandle das Angesicht der Erde. Amen

Gartenfest und Jubiläum der Fördergemeinschaft

Das 29. Gartenfest am 4. September mit dem 30-jährigen Jubiläum der Fördergemeinschaft Botanischer Blindengarten Radeberg war wieder ein schöner Tag. Vom Sonnenschein ließen sich viele Menschen in das Gartengelände einladen. Mit Spaß wurden Wassersäcke für die Bäume befüllt – so wurde das Thema des Tages: ‚Das große Baumbaden' zum Erlebnis. Die neue Vorsitzende der Fördergemeinschaft, Marion Krause, selbst blind, sagte zur Festveranstaltung: „Hier wurde mir wirklich der Duft der Pflanzen zur Farbe. Der Garten wurde uns zur Oase und für mich zur Insel. Seit dieser Zeit sind wir jährlich mindestens ein Mal hier... Der Garten erweckte in mir den Entdeckergeist für immer wieder Neues... Damit diese Oase entstehen konnte, gehörten viel Gott-vertrauen, Gebet und Mut dazu, dies alles umzusetzen. An dieser Stelle danke ich allen, die auch für dieses Werk und diesen Garten gebetet haben und es noch immer tun." Frau Dr. Barbara Ditsch (Leiterin Botanischer Garten der TU Dresden) betonte in ihrem Grußwort, wie groß die Aufgabe ist, die Architektur der Düfte in den Gartenbereichen mit Pflanzen zu gestalten, die den Perioden der Trockenheit und Hitze standhalten. Das ist eine Aufgabe, bei welcher der Taubblindendienst, die Fördergemeinschaft und der Gartenbeirat mit anderen Fachleuten zusammenarbeiten werden.

Gästehaus

An den Freizeiten im Sommer nehmen viele taubblinde Personen teil, die sich jedes Jahr anmelden. Es ist jedesmal eine große Freude, sich zu begrüßen. Eine besondere Stellung im Herzen taubblinder Menschen haben Helfer und Begleiter, die mehrmals wiederkommen. In diesem Jahr hatten wir drei neue Angebote für taubblinde Menschen, an denen sie mit Taubblindenassistenz teilnehmen konnten. So haben wir neue und jüngere Leute kennen gelernt. Die Kreativwoche, das Seminar für taubblinde Pflanzenfreunde und die Wander-freizeit haben den Teilnehmern viel Freude gemacht und sind für das kommende Jahr wieder eingeplant.

Fachgespräch – Wohnen

Im September gab es wieder einen lebendigen Austausch verschiedener Fachleute zum Fachgespräch Ambulant Betreutes Wohnen. Dass taubblinde Menschen in ihrer eigenen Wohnung leben, sowohl Taubblindenassistenz, Begleitung und Beratung zur Verfügung haben, als auch Möglichkeiten für das Tätig sein und für Gemeinschaft nutzen können, wird innerhalb von Deutschland nur an sehr wenigen Standorten angeboten. Immer wieder gibt es die Absicht, eine konkrete Konzeption dafür vorzubereiten und zu beginnen. Unsere Erfahrungen in diesem Bereich werden gern aufgenommen. An der Frage, wie altgewordene taubblinde Menschen wohnen können, wie die notwendige Pflege kombiniert werden kann mit taubblindenspezifischer Kommunikation und Unterstützung, wollen wir gemeinsam weiter arbeiten.

Jahresplan 2023

Mit diesem Freundesbrief schicken wir wieder den Jahresplan mit. Für die Freizeiten mit taubblinden oder blinden Menschen brauchen wir Helfer oder Begleiter. Wer überlegt, ob sie/ er dafür bereit sein kann, ist eingeladen am Seminar vom 17.–19.3.2023 teilzunehmen. Dort lernt man Grundlegendes, um eine taubblinde Person zu begleiten. Entscheidend dabei ist die Aussage, die eine Helferin in diesem Jahr geschrieben hat: „Es ist eine Freude und ein Privileg bei Euch mitmachen zu dürfen." Bitte begleiten Sie unsere Veranstaltungen mit Ihrem Gebet. Dieser Brief und der Jahresplan für 2023 sind mit Zeichnungen von Boris Shevchenko illustriert. Er ist der Mann des ukrainischen Ehepaares, das bei uns wohnt. Er zeichnet sehr gern und verschenkt diese schönen Bilder als Dank. Es berührt mich, wenn ich sehe, mit welcher aufrechten Haltung er seine taubblinde Frau begleitet – zu einem Spaziergang im Garten, im Fitnessraum. Er trägt gemeinsam mit Ihr die Last der Taubblindheit, die Last der verlassenen Heimat und lebt in einer Grundhaltung der Dankbarkeit und Freundlichkeit. Wir schließen sie als Ehepaar in unsere Freundlichkeit und unsere Fürbitte ein – damit in ihren Herzen die Versöhnung wurzeln kann, die durch den Frieden mit Jesus wächst.

Bitte und Grüße

Am Ende dieses Briefes möchten wir Sie noch einmal bitten zu prüfen, wer unseren Dienst mit Spenden und Zuwendungen unterstützen kann und wie neue Freunde gewonnen werden können. Die stark gestiegenen Ausgaben haben dazu geführt, dass wir uns zur Zeit in einer sehr schwierigen finanziellen Situation befinden.
Desmond Tutu, anglikanischer Priester aus Südafrika sagte: „Versöhnung ist nur durch Vergebung möglich." Wir bitten den Heiligen Geist, dass wir in unseren Herzen vergebungsbereit sind, damit die Versöhnung, die uns Jesus Christus schenkt, ein lebendiges Zeugnis ist und Menschen in unserem Land neue Hoffnung gewinnen.

Herzliche Grüße, auch im Namen der Mitarbeiter,
Ihre Ulrike Fourestier

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